Markenzeichen

Wäscheleine … Alex, der Hund mit der Wäscheleine. Bekannt wie ein bunter Hund, aber hund braucht dafür nicht bunt zu sein.

Ich hoffe, dass er noch ganz lange die Leine im Schlepptau hinter sich herzieht. Gestern waren wir beide beim Tierarzt, und es war gar nicht so einfach, eine Diagnose zu stellen. Abhören ist bei dem dicken Pelz äußerst schwierig, ein Ultraschall klappt auch nicht ohne Kahlrasur und eine gute Röntgen-Aufnahme des Thorax ist ein Glücksspiel. Doch die Tierärztin hat es mit Erfahrung und dem Abpassen des richtigen Moments geschafft. Ja, der alte Herr hat Herzprobleme, die ihm Luftnot bescheren. Das alte Herz muss zu viel arbeiten, ist zu stark belastet. Die nächtliche Ruhelosigkeit mit stundenlangem Stromern durch die Wohnung kam nicht von ungefähr.

Er hat gestern eine Spritze zum Entwässern bekommen, heute und morgen jeweils eine Tablette dafür. Und er pullert, was die Blase hergibt … Gestern Abend dann die erste halbe Tablette als ACE Hemmer, die bekommt er jetzt täglich für den Rest seines Lebens. Und tatsächlich, die Therapie hat sofort angeschlagen, er kann endlich wieder in Ruhe schlafen. Von eventuellem Leistungsabfall und Antriebslosigkeit durch die ACE Hemmer keine Spur, ganz im Gegenteil. Er dreht draußen nochmal richtig auf, läuft befreit und locker, weil er eben wieder viel besser Luft kriegt.

Das Ergebnis der geriatrischen Blutuntersuchung bekomme ich am Montag oder Dienstag, dann sehen wir weiter. Geriatrie … die Altersmedizin, das Fachwort hört sich halt netter an. Doch es geht um die Therapie alterstypischer Morbidität … das wiederum hört sich weniger nett an. Man versetze sich einfach mal in die Erlebnis- und Gefühlswelt des alten Herrn. Seine über 15 Hundejahre entsprechen ungefähr 100 Menschenjahren. Er sieht seine Welt wie durch eine Milchglasscheibe, Hör- und Geruchssinn sind längst gedämpft, die Knochen und Gelenke sind verschlissen und tun sicherlich zeitweise weh (z.B. bei Wetterumschwung), die Bewegungen und das Atmen fallen schwerer. Wie werden wir uns in so einem biblischen Alter fühlen?

Das vergisst man sehr leicht, wenn man ihn draußen laufen sieht und beobachtet, wie er sich seines Lebens freut. Oft wirkt er noch wie ein Jungspund. Wenn er übermütig mit Wäscheleine im Schlepptau da steht und bellt, um mich zu zanken. Mit seinem sturen Schädel. Er weiß, dass er trotz seines Alters und Gebrechen immer noch schneller ist als ich – selbst mit Wäscheleine. Ich hätte gar keine Chance, ihn einzufangen. Er und ich wissen das … und bleiben bei der Wäscheleine – eine Übereinkunft, dass ich im Fall des Falles doch am längeren Hebel, sprich am anderen Ende der Leine bin und sage, wo es langgeht. Ein bisschen betüddeln darf ich ihn, das gesteht er mir jetzt im hohen Alter zu. Aber nicht zu viel, denn er will nicht offensichtlich als Opa behandelt werden. Dafür ist er noch viel zu markig und der Macho schlechthin. Und das ist gut so.

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3 Kommentare - “Markenzeichen”

  1. andrea2110 Says:

    Wunderschön, wie liebevoll Du über Deinen Hund schreibst… ich hoffe, es geht ihm noch laaaange so gut… Liebe Grüsse Andrea

  2. kelly Says:

    eine zu herzen gehende liebeserklärung!

  3. Marina Says:

    Eine tolle Liebeserklärung an deinen Alex und ich kann dich so gut verstehen. Ich wünsche euch noch ganz viele gemeinsame Stunden und Spaziergänge.
    LG
    Marina und Elsa


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