Vom Wasser

und anderen Illusionen … erzählt das heutige Teilstück des Spaziergangs. Wo es bis hierher knochentrocken im Polderland erschien, der Wanderer nun Sand vor seinem Auge hat, wiegt er sich in trügerischer Sicherheit. Der Durchgang, den wir wählen, offenbart einen wichtigen Warnhinweis … nämlich die tiefen Fußabdrücke im vorderen Teil.

Die hübschen Lichtspiele in den Tümpeln und Prielen erzählen überall vom Wasser – und dieses Gebiet führt ständig Wasser, selbst wenn man es nicht sieht. Nach einer längeren Trockenperiode versickert es zwar teilweise, doch es ist nie ganz weg. Es sucht seinen Weg in den unteren Erd- und Sandschichten, es gibt unterirdische Zu- und Abflüsse vom Meer. Mischt sich mit dem Regenwasser, das aus den oberen Schichten versickert.

Dem aufmerksamen Beobachter fällt auf, dass der Sand heller und dunkler ist – je nach Feuchtigkeitsgrad. Bei den ganz dunklen Stellen heißt es Vorsicht beim Durchqueren, es könnte ein Treibsandfeld sein. Dort, wo Tümpel einen gewissen Sättigungsgrad mit Sand erreichen, der optisch fest aussieht, doch innen drin wabert das Sand-/Wassergemisch und es ist ziemlich unangenehm, dort hinein zu geraten. Da steckt man nämlich erstmal eine ganze Weile fest und muss warten, bis sich dieses Gemisch beruhigt hat und einen wieder ausspuckt.

Je wilder man sich wehrt, um dort herauszukommen, desto mehr gerät das Gemisch in Aufruhr und zieht einen noch weiter rein. Dann dauert die Chose noch länger … Aber Hunden kann man sowas schlecht erklären, denen sind physikalische Vorgänge sowas von schietegal … Deshalb also: Der Rudelführer geht vor und erkundet das Terrain.

Nein, es ist nicht lebensgefährlich. Aber schon unangenehm, selbst wenn man darum weiß und trotzdem hineingerät. Und das kann passieren. Da hilft nur: Ruhe bewahren.

Nachdem wir das Gebiet hinter uns haben, werden wir die kleinen Dünenhügel durchqueren, um zur Wasserkante zu gelangen. Auch hier muss man nicht quer drüberstiefeln, es gibt genügend Durchgänge, die das Meer bei Flut freilegt. Doch auch dort gilt: Achte auf den Sand. Und was noch so gelb und abgestorben im Dünengras erscheint, ist auch eine optische Täuschung aus der Entfernung.

Da wachsen längst frische grüne Halme nach …

Auch nach diesem Teilstück ist es noch ein gutes Stück Weg bis zur Brandungszone, wir haben natürlich auch noch die Zeit der Ebbe mit Tiefstststand erwischt, das sind zusätzlich etliche Meter mehr zu laufen.

Die Illusion der Entfernung … der Blick zurück Richtung Südosten, wo die Möwendüne mit der Bake liegt …

… und Richtung Osten, wo die Häuser auf Baltrum scheinbar nahe sind. Mit bloßem Auge von dem Standpunkt aus nicht zu erkennen, das Teleobjektiv der Kamera macht es möglich.

Das Auge sieht es nämlich so … nix als Weite auf dem menschenleeren Strand.

Morgen bummeln wir ein bisschen längs der Brandungszone in Richtung Westen, um dann langsam wieder einen Bogen zurück zum Parkplatz zu schlagen.

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10 Kommentare - “Vom Wasser”

  1. Onno Says:

    Sehr schöner Gang!

    Auf Bild No6, der Pups am Horizont, das dürfte die Nordic sein.

  2. Patricia Says:

    🙂 einer meiner Gummistiefel steckt immer noch irgendwo vor Amrum im Watt…
    Toller Spaziergang!

  3. fred210761 Says:

    Liebe Ina,

    deinen neuen Eintrag nehme ich mir später vor, viel zu interessant um ihn einfach herunter zu schlingen 😉
    Aber 2 Bilder möchte ich jetzt schon mal benoten, die 2 und die 5= Note 1+ 🙂

    Ich komme wieder, muss erst mal was sacken lassen, OK 😉

    Liebe Grüße, Fred.

  4. stellinger Says:

    Liebe Ina,

    die Insel Norderney bietet viele schöne Fotomotive, wie Deine Fotos es zeigen.
    Auf dem einen Foto von gestern ist ein riesiger Windpark zu sehen. Schön sehen die Dinger nicht aus, aber was soll man machen, wenn man die Atomenergie zum Teufel wünscht? Vielleicht die Energieproduktion unter Wasser legen? In Form von Gezeiten-Kraftwerken? Gibt es die eigentlich schon?

    Viele Fragen und viele Grüße von
    Jürgen


    • lieber jürgen,
      die natur ist grandios und dort draußen im urwüchsigen teil der insel berauschend. der windpark auf dem foto steht auf dem festland, an der ostfriesischen küste gibt es etliche davon. hier auf der insel wird verstärkt in photovoltaik-anlagen (solarenergie) investiert, das ist auch eine möglichkeit. was gezeiten- und meeresströmungskraftwerke angeht, ja, die gibt es schon. schau mal auf wikipedia, die haben eine gute information mit weiterführenden links dazu. das gesamte thema energie ist so komplex und nicht einfach zu beantworten, wenn man ökologische, soziologische und wirtschaftliche aspekte einbezieht.
      liebe grüße!

  5. Boldenstein Says:

    …genauso habe ich das auch gefilmt und geknipst und Du hast es mit Text und Fotos bestätigt. 🙂

    Man muss es nur sehen wollen… 😉

    weiter so, ich hoffe, das wir noch einen gemeinsamen Ausflug dorthin unternehmen.

    Liebe Grüße auf die Insel…


    • he claus,
      für manche menschen hat es einen wiedererkennungswert, wenn sie diese fotos sehen. und das ist einfach schön. jooo, vielleicht machen wir noch eine gemeinsame tour dort draußen.
      liebe grüße!


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